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Krafttraining

Bauchtraining ohne Sit-Ups: Was stattdessen wirkt.

Warum Sit-ups nicht die beste Wahl sind, was Bauchtraining beim Bauchfett bringt und mit welchen Übungen du deinen Rumpf Schritt für Schritt stärkst.

23. September 20257 Min.
Bauchtraining ohne Sit-Ups: Was stattdessen wirkt.

Wenn es um den Bauch geht, denken viele zuerst an Sit-ups, am besten hundert am Tag. Ich habe 1998 mein Diplom in Sportwissenschaft gemacht, arbeite seit über 28 Jahren als Trainerin und gebe in Leipzig unter anderem Kurse für Rücken und für Bauch, Beine, Po. Meine Erfahrung: Für eine kräftige, belastbare Mitte gibt es bessere Übungen als Sit-ups. Und ein flacher Bauch entsteht nicht durch Bauchtraining allein. In diesem Beitrag erkläre ich dir, was dein Rumpf eigentlich leistet, welche Übungen ich nutze und wie du sie Schritt für Schritt steigerst.

Was dein Rumpf eigentlich tut

Zum Rumpf gehören nicht nur die sichtbaren Bauchmuskeln. Der gerade Bauchmuskel, die schrägen Bauchmuskeln, der tiefe quere Bauchmuskel, die Rückenstrecker, der Beckenboden und das Zwerchfell arbeiten zusammen wie eine Kapsel um deine Wirbelsäule. Ihre wichtigste Aufgabe im Alltag ist nicht, dich einzurollen. Sie sollen Kräfte zwischen Beinen und Armen übertragen und ungewollte Bewegungen verhindern.

Wenn du eine schwere Tasche auf einer Seite trägst, verhindert dein Rumpf, dass du zur Seite kippst. Wenn du eine Tür aufziehst, verhindert er, dass du dich verdrehst. Und wenn du etwas über Kopf ins Regal stellst, verhindert er ein Hohlkreuz. Diese drei Aufgaben trainiere ich gezielt: gegen das Überstrecken, gegen das seitliche Abknicken und gegen das Verdrehen.

Warum Sit-ups nicht meine erste Wahl sind

Sit-ups sind nicht verboten. Sie haben aber ein paar Nachteile. Einen großen Teil der Arbeit übernehmen die Hüftbeuger, nicht die Bauchmuskeln. Viele ziehen dabei am Kopf und spüren danach eher den Nacken als den Bauch. Und hundert Wiederholungen mit dem eigenen Körpergewicht sind eher Ausdauer als Kraft. Bei Osteoporose rate ich vom starken Einrollen der Wirbelsäule ohnehin ab. Übungen, bei denen der Rücken lang bleibt, sind für fast alle eine gute Grundlage.

Bauchtraining und Bauchfett

Eine kleine, aber klare Studie zum Bauchtraining hat das getestet. 24 untrainierte Erwachsene machten sechs Wochen lang an fünf Tagen pro Woche sieben Bauchübungen mit je 2 Sätzen à 10 Wiederholungen. Die Vergleichsgruppe trainierte nicht. Danach hatte die Trainingsgruppe mehr Kraftausdauer im Bauch, aber Bauchfett, Bauchumfang und Körperfett hatten sich nicht verändert. Gezielt an einer Stelle abnehmen funktioniert also nicht. Fett verlierst du über deine Ernährung, Bewegung im Alltag und Krafttraining für den ganzen Körper.

Was die Studien zum Rücken sagen

Ein starker Rumpf hilft vielen Menschen bei Rückenbeschwerden, aber er ist kein Wundermittel. Eine Meta-Analyse zu Core-Stabilitätstraining bei Rückenschmerzen zeigt: Bei chronischen Kreuzschmerzen verringerten Stabilitätsübungen Schmerzen und Einschränkungen kurzfristig etwas stärker als allgemeines Training. Nach sechs Monaten war beim Schmerz kein Unterschied mehr nachweisbar. Eine Cochrane-Übersicht mit 29 Studien kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: Gezieltes Training der tiefen Rumpfmuskeln wirkt besser als fast nichts zu tun, aber nicht besser als andere Übungsformen. Die Autor:innen empfehlen, die Übungen nach Vorliebe, Kosten und Sicherheit auszuwählen. Auch die Cochrane-Übersicht zu Bewegungstherapie bei chronischen Kreuzschmerzen zeigt, dass Training hilft. Für mich heißt das: Wichtig ist, dass du regelmäßig trainierst und dass dir die Übungen liegen.

Meine Grundübungen für den Rumpf

  1. 01Dead Bug: Leg dich auf den Rücken, Arme zur Decke, Knie und Hüfte im rechten Winkel. Strecke langsam den rechten Arm nach hinten und das linke Bein nach vorn, der untere Rücken bleibt am Boden. Dann die Seite wechseln. 3 Sätze mit 6 bis 10 pro Seite.
  2. 02Unterarmstütz: Ellenbogen unter den Schultern, der Körper bildet eine Linie von Kopf bis Ferse. Po leicht anspannen, ruhig weiteratmen. 3 Sätze mit 20 bis 45 Sekunden.
  3. 03Seitstütz: auf dem Unterarm, zuerst mit gebeugten Knien, später mit gestreckten Beinen. Die Hüfte bleibt oben. 3 Sätze mit 15 bis 30 Sekunden pro Seite.
  4. 04Vierfüßlerstand mit Arm und Bein: Strecke gegengleich einen Arm und ein Bein aus, ohne dass das Becken kippt. Stell dir ein Glas Wasser auf deinem Rücken vor. 3 Sätze mit 8 pro Seite.
  5. 05Pallof Press: Ein Band ist seitlich von dir auf Brusthöhe befestigt. Du hältst es vor der Brust und drückst die Arme gerade nach vorn, ohne dich zum Band drehen zu lassen. 3 Sätze mit 10 pro Seite.
  6. 06Kofferträger: Nimm eine schwere Kurzhantel oder Tasche in eine Hand und geh 20 bis 30 Meter, ohne dich zur Seite zu neigen. Dann Seite wechseln. 3 Runden.

So steigerst du dich

  1. 01Woche 1 bis 3, Kontrolle: Dead Bug, Unterarmstütz auf den Knien und Seitstütz mit gebeugten Knien. Zwei- bis dreimal pro Woche, 10 bis 15 Minuten. Ziel ist eine ruhige, saubere Ausführung.
  2. 02Woche 4 bis 8, Belastung: Unterarmstütz und Seitstütz auf den Füßen, Vierfüßlerstand mit Arm und Bein, dazu Pallof Press. Die Haltezeit wird länger, oder du machst die Übung langsamer.
  3. 03Ab Woche 9, Kraft: Kofferträger mit mehr Gewicht, Pallof Press mit stärkerem Band, Unterarmstütz mit abwechselnd angehobenem Fuß. Statt immer länger zu halten, machst du die Übung schwerer. Mehr als 45 bis 60 Sekunden Halten bringt wenig zusätzlich.

Du musst für den Rumpf keine eigene Stunde einplanen. Die Übungen passen gut ans Ende eines Krafttrainings oder als kurze Einheit von 10 bis 15 Minuten an zwei bis drei Abenden pro Woche. Wähle pro Einheit drei bis vier Übungen aus, sodass jede Richtung einmal dran ist: eine gegen das Überstrecken wie Dead Bug oder Unterarmstütz, eine gegen das seitliche Abknicken wie Seitstütz oder Kofferträger und eine gegen das Verdrehen wie Pallof Press. Zwischen den Sätzen reichen 30 bis 60 Sekunden Pause.

Dein Rumpf arbeitet auch bei Grundübungen wie Kniebeuge und Kreuzheben stark mit. Wenn du die gut beherrschst, trainierst du deine Mitte gleich mit. Wie die Kniebeuge sicher klappt, zeige ich in Kniebeuge richtig lernen, das Heben vom Boden in Kreuzheben ohne Angst.

Typische Fehler

  • Durchhängen im Unterarmstütz: Wenn die Hüfte absinkt, landet die Last im unteren Rücken. Lieber kürzer halten oder auf die Knie gehen.
  • Minutenlanges Halten: Drei Minuten Unterarmstütz sind kein besseres Training als 30 saubere Sekunden mit einer schwereren Variante.
  • Nur die Vorderseite trainieren: Rückenstrecker und seitliche Muskeln gehören genauso dazu.
  • Den Bauch dauerhaft einziehen: Spannung ja, aber du sollst dabei noch normal atmen können.
  • Auf Bauchfett durch Bauchübungen hoffen: Dafür zählen Ernährung, Bewegung im Alltag und Krafttraining für den ganzen Körper.

Wann du ärztlich abklären solltest

  • Nach einer Schwangerschaft, wenn sich beim Anspannen eine Wölbung oder eine Lücke in der Mitte des Bauchs zeigt. Das kann eine Rektusdiastase sein. Lass das von deiner Frauenärztin oder einer Physiotherapeutin anschauen.
  • Wenn du eine Vorwölbung in der Leiste oder am Bauchnabel bemerkst, besonders beim Husten oder Pressen.
  • Nach einer Operation am Bauch, bevor du wieder mit Rumpftraining anfängst.
  • Wenn du beim Husten, Lachen oder Springen Urin verlierst. Eine auf Beckenboden spezialisierte Physiotherapie hilft hier oft gut.
  • Bei Rückenschmerzen, die ins Bein ausstrahlen, mit Taubheit oder Schwäche einhergehen oder nachts nicht nachlassen.

Rumpftraining in Leipzig

Seit 2023 bin ich in Leipzig. Im Gruppentraining üben wir viele dieser Übungen gemeinsam, zum Beispiel in den Kursen für Rücken und für Bauch, Beine, Po. Wenn du Rückenbeschwerden hast und das Training genau darauf abstimmen willst, passt eher das Rückentraining im Einzeltraining. Viele Übungen gehen auch draußen auf einer Matte im Park.

Mein Fazit

Ein starker Rumpf entsteht nicht durch hundert Sit-ups, sondern durch Übungen, die deine Mitte stabil halten: gegen Überstrecken, gegen seitliches Abknicken und gegen Verdrehen. Zwei bis drei kurze Einheiten pro Woche reichen, wenn du dich langsam steigerst. Ein flacher Bauch ist dabei kein Versprechen, aber ein belastbarer Rücken und mehr Sicherheit im Alltag sind ein gutes Ziel.

Quellen & weiterführende Literatur

Wissenschaftliche Belege und vertrauenswürdige Institutionen.

  1. 01
  2. 02
  3. 03
    The effect of abdominal exercise on abdominal fat (2011)

    Journal of Strength and Conditioning Research / PubMed

  4. 04
    Exercise therapy for chronic low back pain (Cochrane Review, 2021)

    Cochrane Database of Systematic Reviews, 2021 / PubMed

  5. 05

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