Was draußen anders ist
Draußen trainierst du auf unebenem Boden, mit Wind und wechselnden Temperaturen. Das klingt nach Nachteil, ist aber ein Reiz für Gleichgewicht und Fußmuskulatur, den ein Studioboden nicht bietet. Ein Ausfallschritt auf Gras fordert die kleinen stabilisierenden Muskeln um Knie und Sprunggelenk anders als auf einer glatten Fläche.
Dafür fehlen draußen schwere Gewichte. Ich gleiche das über die Übungsauswahl aus: langsamere Ausführung, einbeinige Varianten, längere Haltephasen, Widerstandsbänder. So bleibt die Belastung steigerbar, auch ohne Hantelbank. Wer schon sehr kräftig ist und vor allem Maximalkraft aufbauen will, trainiert am besten abwechselnd im Park und im Studio.
Outdoor-Training ist bei mir kein Bootcamp mit Gebrüll. Ich plane jede Einheit mit derselben Logik wie im Studio: ein Ziel pro Block, eine klare Steigerung über die Wochen, genug Pause zwischen den Sätzen. Du sollst nach der Stunde gefordert sein und trotzdem gern wiederkommen.
So sieht eine Einheit im Clara-Zetkin-Park aus
Wir treffen uns zum Beispiel am Rand der großen Wiese. Zum Aufwärmen gehen wir ein paar Minuten zügig und mobilisieren dann Hüfte, Brustwirbelsäule und Schultern. Danach wird eine Parkbank zum Trainingsgerät: für Step-ups, Liegestütze mit erhöhten Händen oder Dips. Eine leichte Steigung eignet sich für kurze Intervalle.
Zum Schluss kommt ein ruhiger Teil auf der Matte oder im Stehen: Atmung, Dehnung, Rumpfarbeit. Im Johannapark, nah am Zentrum, läuft es ähnlich. Am Auwald nutzen wir die Wege gern für Gehintervalle, also Abschnitte mit zügigem Gehen im Wechsel mit Kraftübungen. Das schont die Gelenke und fordert trotzdem Herz und Muskeln.
Typische Fehler beim Training im Park sehe ich oft, wenn ich durch Leipzigs Grünanlagen gehe: schnelle Liegestütze mit durchhängender Hüfte, Sprünge ohne Aufwärmen auf hartem Boden, Laufen ohne Plan. Bei mir hat jede Übung eine saubere Ausführung und einen festen Platz im Plan.
Training bei Kälte, Hitze und Regen
Ich trainiere draußen nicht nur bei Sonnenschein. Im Winter wärmen wir uns länger auf, halten die Pausen kurz und achten auf Kleidung in Schichten. Im Hochsommer lege ich Termine in den frühen Morgen oder auf den Abend und suche schattige Plätze. Wasser hast du immer dabei.
Im Herbst und Winter wird es morgens und abends früh dunkel. Dann wählen wir beleuchtete Wege und Treffpunkte nah an der Straße. Reflektoren an der Jacke helfen zusätzlich. Viele Übungen machen wir in dieser Zeit im Stehen, damit niemand auf kaltem, nassem Gras liegen muss.
Es gibt aber Grenzen. Bei Gewitter, Sturm oder Glatteis trainieren wir nicht draußen. Dann suchen wir eine Alternative im Studio oder bei dir zu Hause. Sicherheit geht vor, auch vor dem schönsten Trainingsplan.
Warum ich gern draußen arbeite
In meinen Jahren als Trainerin, zuerst in der Ukraine und seit September 2023 in Leipzig, habe ich gesehen, wie stark die Umgebung die Motivation beeinflusst. Wer sich im Studio unwohl fühlt, bewegt sich draußen oft freier. Tageslicht und frische Luft tun gut, und der Weg zum Park ist häufig kürzer als der zum nächsten Studio.
Für mich als Trainerin hat das Training im Park noch einen Vorteil: Ich sehe, wie du dich in alltäglichen Situationen bewegst. Wie du eine Stufe nimmst, wie du auf unebenem Weg gehst, wie du dich bückst. Daraus leite ich Übungen ab, die dir im Alltag direkt nützen.
